Ruder hart steuerbord!
Ruder hart steuerbord!
Unter Fischern und Seeleuten im Maritimmuseum in Reykjavík

Die See hat den Isländern durch die Jahrhunderte hindurch geholfen, auf ihrer kargen Insel zu überleben. Doch hatte das seinen Preis. Obwohl es im Meer ringsum von Fischschwärmen nur so wimmelte, war der Fang bisweilen lebensgefährlich. Islands Fischgründe gewährten Generationen von Fischern reiche Beute, unzählige von ihnen mussten jedoch mit ihrem Leben dafür bezahlen.

Bis in die Moderne hinein wurde beinahe der gesamte internationale Handel auf dem Seeweg betrieben. Wir Menschen der industrialisierten Welt wissen kaum noch etwas über das harte Leben von Seeleuten und Fischern und deren Gemeinschaften. Unser Fisch kommt aus dem Supermarkt, adrett verpackt in Plastikschale und Klarsichtfolie und lässt nichts davon erahnen, unter welch schwierigen Umständen er gefangen worden ist.
Es ist daher eine ganz besondere Erfahrung, mit allen Sinnen in das Leben und die Welt der Fischer eintauchen zu können. Für manchen mag damit ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen.

Das isländische Maritimmuseum atmet förmlich Leben am Meer, erzählt davon, wie frühere Generationen gegen die Naturgewalten kämpften und was für Boote sie zur Verfügung hatten. Stellen Sie sich das Gefühl vor, in einer Nußschale auf das offene Meer hinaus zu fahren und um Ihr Leben zu rudern, wenn der Himmel sich im Sturm verdunkelt und die Wellen sich so hoch wie Häuser auftürmen. In diesen Überlebenskampf waren alle eingebunden – Männer, Frauen und Kinder. Die Gemeinschaften hielten zusammen und arbeiteten Hand in Hand, um die der See abgetrotzte Beute zu verarbeiten. Junge Menschen wuchsen in dieser rauen Umgebung von Kindesbeinen an in ihre Verantwortung hinein. Gesäubert und verarbeitet wurde der Fisch in eisigem Wasser – diese harte Handarbeit ist immer schon Sache der Frauen gewesen. Doch fuhren nicht wenige von diesen Frauen auch zur See, um das Überleben ihrer Familien zu gewährleisten.

Mit der Modernisierung in der Fischindustrie haben sich die Arbeitsbedingungen heute bedeutend verbessert. Die mit echten und nachgebauten Exponaten bestückten Ausstellungen, unterlegt mit dramatischen Videoinstallationen helfen dem Betrachter, Islands maritime Geschichte mit allen Sinnen zu begreifen. Jede einzelne Periode bietet besondere Hautnah-Erfahrungen – wo sonst können Sie im Bett eines Fischers liegen, ohne sich Ärger einzuhandeln?

Doch waren es nicht nur die Fischer, die sich tapfer den Gefahren der See stellten. Auch die Männer der Küstenwache verbrachten ihr Leben auf dem Meer, nicht selten, um in Seenot geratene Fischerboote zu retten. Viele Seeleute verloren ihr Leben in den Unwettern und Stürmen rund um die Insel, doch noch mehr konnten von der Küstenwache gerettet werden. In den 46 Dienstjahren der Óðinn, dem ersten modernen Schiff der isländischen Küstenwache, wurden über 200 in Seenot geratene Schiffe geborgen und viele Mannschaften vorm Ertrinken gerettet, oft unter extremen Wetterbedingungen. Die Crew der Küstenwache übernahm auch organisierte Rettungsaktionen vom Meer aus, wenn Hilfe vom Land aus wetterbedingt nicht möglich war. Als in den Westfjorden ein ganzes Dorf unter einer Lawine begraben wurde und heftiger Sturm die Anreise der Retter über Land verhinderte, wurden Ärzte, Krankenschwestern und Rettungshelfer von Reykjavík aus übers Meer an den Unglücksort transportiert. Die Óðinn fungierte während des Dramas als Basisstation für die Bergungssarbeiten.
Und als Island seine Fischereirechte während der drei Kabeljaukriege verteidigen musste, war es die  Óðinn, die britische Fregatten, Trawler und Schlepper aus isländischen Gewässern vertrieb und dazu beitrug, daß eine Quotenregelung ins Leben gerufen wurde, um die von ausländischen Schiffen dezimierten Fischbestände rund um die Insel zu schützen.

Die Óðinn ist heute ein lebendes Museum, das bis in den letzten Winkel besichtigt werden kann. Alle Gegenstände befinden sich noch an ihrem Platz, das Schiff wirkt, als käme es gerade von einem Einsatz zurück.  Kaum ein Besucher kann sich hier dem Gefühl entziehen, wie es wohl gewesen ist, bei Unwetter auf dem Meer zu sein und um das Leben anderer zu kämpfen. Der Museumsshop hält eine DVD mit Geschichten über die dramatischen Rettungsaktionen der Óðinn bereit.

Das isländische Maritimmuseum ist kein steriler Ort des Betrachtens. Hier sollen Dinge angefasst und ausprobiert werden, um Situationen nachzufühlen und für einen Moment Teil der Seefahrergemeinschaft zu werden. Erleben Sie anschließend Geschichten aus erster Hand und unterhalten Sie sich mit ehemaligen Crewmitgliedern der Küstenwache im Museumscafé, wo diese sich regelmäßig mit Freunden und Kollegen zu einem Plausch treffen.

Das Maritimmuseum befindet sich in Grandi, am Ende der Straße, die den Hafen umrundet und nur fünf Minuten Fußweg vom Stadtzentrum entfernt.
Öffnungszeiten Winter
Dienstag bis Freitag 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Samstag und Sonntag 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Öffnungszeiten Sommer (1. Juni bis 1. September)
täglich 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Víkin Sjóminjasafn/Maritimmuseum
Grandagarður 8 • 101 Reykjavík
+354 517 9400
sjominjasafn@sjominjasafn.is
www.sjominjasafn.is

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