Ein Fotograf auf den Spuren der Wikinger - Brynjar Ágústsson
Die Macht der Bilder
Ein Fotograf auf den Spuren der Wikinger

„Þeir Flósi ríðu vestur á sand – Flósi und seine Männer ritten über den Sand nach Westen.“
Hinter dieser mageren Zeile aus dem 126. Kapitel der Njálssage verbirgt sich ein Drama, welches vor fast 1000 Jahren mit Totschlag begann und mit einer durch das Althing genehmigten Blutrache endet.
Spannendstes Sagamaterial und eine Herausforderung an jeden Bildschaffenden, findet der Fotograf Brynjar Eggertson aus Reykjavík. Und entwirft mit wenigen Worten eine Szene von Männern auf Pferden, die vom Svínafell aus hinter dem Eyjafjallajökull in den südisländischen Markafljót hineinreiten, um das Haus von Njál in Brand zu setzen.


Geschichten als Bilder
Die allzu trockene Sprache der isländischen Sagas in Bilder übertragen, das ist Brynjars Anliegen. Er hat sich mit seinen beeindruckenden Wikingerportraits bereits einen Namen gemacht. Männerantlitze voller Dramatik, Leiden und eiserner Entschlossenheit, das Ende eines Kampfes, unheimliche Bestattungsszenen im Halbdunkel, furchtsame Frauen in einer Hütte – solche Bilder packen den Betrachter, wie kein Textabsatz es könnte.

Momente mit Emotionen
Der gelernte Landschaftsfotograf ist Mitglied der renommierten Wikingergemeinschaft ‚Rimmugýgur‘ aus Hafnarfördur und entdeckte hier seine Liebe zum historischen Szenenportrait. Er bannt beeindruckende Momente auf Bild – Momente, hinter denen eine ganze Geschichte steckt, die sich, mit der richtigen Bildunterschrift, nun im Kopf des Betrachters entfalten kann, und die ihn so schnell nicht loslassen soll.
War der oben genannte Flósi aus der Njálssaga ein Mordbrenner, oder ein Ehrenmann? Ein Foto könnte darüber mehr sagen als trockene Textpassagen. Welchen Ausdruck trägt das Gesicht eines Mannes wie Gunnar, dessen Frau ihn gerade dem Tod übergibt, als sie sich weigert, Haarsträhnen für die Reparatur seines Langbogens herzugeben? Die Saga schweigt über Gunnars Gefühle. Ein Bild der Szene könnte die Dramatik überwältigend präsentieren, könnte weitaus mehr erschüttern, als Hallgerdurs einfacher Satz „Dann werde ich dir deine Ohrfeige nun vergelten“.

Life-Bühne für den Fotografen
Zusammen mit den Wikingern von Rimmugýgur hat Brynjar schon mehrere Szenenprojekte durchgeführt. Sein Material perfektioniert er anschließend mit einem professionellen Bildbearbeitungsprogramm und verleiht den Fotos durch Verfremdung bewusst einen Fantasy-Touch, um das Auge des Betrachters tiefer in die Szene zu ziehen.

Bilder sind unsere heutige Sprache
„Die Bilder erzählen ganze Geschichten,“ erklärt Brynjar, „unsere heutige Welt besteht fast nur noch aus Bildern, wir werden damit groß und können mit ihrer Eindringlichkeit besser umgehen als mit Worten.“ Seiner Ansicht nach sind historische Stätten, wie etwa der alte Versammlungsplatz in Thingvellir, oder das Fljótshlíd, wo die Njálssaga sich zugetragen hat, Besuchern weitaus eindringlicher vermittelbar mit Schautafeln voller Szenenportraits, die mit Bildunterschriften ergänzt werden, als mit endlosen Texten, für die nur wenige Leute Geduld aufbringen. Fotos sprechen unsere Sprache, egal in welcher Sprache, findet er.


Auf Fotojagd mit dem Profi
Man kann Brynjar bei seiner Arbeit begleiten. Wenn er mit seinen Wikingern für shootings Szenen vereinbart, wird professionell ein Drehbuch dafür geschrieben, das gesamte setting zusammengestellt und für den Fotografen aufbereitet. Und es wird solange gespielt, bis die Szene „im Kasten“ ist. Den Wikingern mache das großen Spaß, versichert der Fotograf. Daher sei es kein Problem, sich ihm anzuschließen. Zu mehreren könne man durchaus auch ins Hochland reisen und zum Beispiel Szenen an reißenden Gletscherflüssen oder in der endlosen Lavawüste fotografieren. Die Wikinger von Hafnarfjördur präsentieren sich detailverliebt, hier stimmt alles bis ins Letzte - ein Fest für jeden Hobbyfotografen.

Brynjars Bilder tragen ihre eigene Handschrift. Auch seine Landschaftsfotos sind überwältigend und fast beunruhigend in ihrer Mischung aus gestochener Schärfe und Weichzeichnereffekt. Das extrem helle Tageslicht macht Fotografieren auf der Insel zur Herausforderung. Brynjars Fotos zeigen Island, wie es hinter dem Licht wirklich aussieht, zeigen die ganze Macht der Farben und die Dynamik der Landschaft.

Besuchen Sie seine Webseite www.panorama.is und lassen Sie sich mitreißen.

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