Reykjavíks Maritimmuseum Víkin lädt ein ins Fischerleben auf hoher See

Ruf der Wildnis

Reykjavíks Maritimmuseum Víkin lädt ein ins Fischerleben auf hoher See
Die See hat den Isländern über Jahrhunderte das Überleben auf der kargen Insel im Polarmeer erleichtert, doch war dies selten ein Sonntagsspaziergang. Auch wenn die Küsten von Fischschwärmen nur so wimmelten, war es immer wieder eine Herausforderung, ihn an Land und auf den Teller zu bringen. Islands Fischgründe haben Generationen von Fischern reiche Beute beschert. Allzuoft war der Preis, den sie dafür zahlen mussten, sehr hoch.

Bis in die letzten Jahre wurde der internationale Handel durch die See bestimmt. In der heutigen industrialisierten Welt wissen die Menschen jedoch nur noch wenig über das Leben der Fischer und ihrer Gemeinschaft. Unser Fisch kommt üblicherweise sauber und geruchsfrei in eingeschweißten Plastikverpackungen im Supermarkt daher. Es ist daher eine besondere Erfahrung, in die Welt der Seefahrer eintreten zu können – und auch etwas wie ein Wunder aus der Kinderzeit, wenn man all die Gegenstände, die das Leben der Fischer bestimmten, anfassen und sich ein wenig in ihr Leben hineinversetzen kann.

Gemeinschaft macht stark
Das isländische Maritimmuseum atmet den Geist der See. Hier kann man förmlich fühlen, wie frühere Generationen mit den Elementen gekämpft haben und welche Ausrüstung und Boote sie benutzt haben. Lassen Sie das Gefühl ruhig auf sich wirken, wie es wohl gewesen sein muss, in solch einer Nußschale aufs Meer hinauszufahren, und um Ihr Leben zu rudern, wenn Sturm am Himmel aufzieht und haushohe Wellen drohen, über Ihnen zusammenzuschlagen. Es war ein Überlebenskampf, an dem jeder Anteil hatte – Männer, Frauen und sogar Kinder. Die Gemeinschaft der Seeleute hielt fest zusammen, und man arbeitete Schulter an Schulter, um den der See abgetrotzten Fang an Land zu bringen. Von frühestem Alter an wuchsen Kinder in dieser rauhen Umgebung gleich in die Verantwortung hinein. Auch wenn die Frauen vorrangig in der harten Branche der Fischverarbeitung tätig waren, so kam es durchaus vor, daß sie selbst hinausruderten, um für den Lebensunterhalt der Familie aufzukommen.

Modernisierung und Mechanisierung in der Fischindustrie haben die Zustände heute bedeutend verbessert. Die Sammlung an Originalgegenständen und rekonstruierten Exponaten zusammen mit einer dramatischen Videopräsentation ermöglicht ein tiefes Verständnis der isländischen Seegeschichte durch die Jahrhunderte. Jede einzelne Periode hat ihren eigenen Platz mit Raum zum Anfassen und Nachdenken. Wo sonst könnten Sie wohl ins Bett eines Fischers steigen, ohne jemanden zu verärgern?

Die “Óðinn”, Islands Schutzengel auf See
Es waren nicht nur die Fischer, die der See die Stirn boten. Auch der isländischen Küstenwache gebühren Ehre und Respekt, denn ihre Rolle war es, Fischerboote und Schiffe aus Seenot zu erretten. Für all jene, die in Stürmen da draußen ihr Leben verloren, wurden noch mehr durch die Küstenwache gerettet. In den 46 Dienstjahren der “Óðinn”, dem ersten modernen Küstenwachschiff des Landes, konnten über 200 Schiffe und noch mehr Mannschaften gerettet werden, allzuoft unter extremsten Wetterbedingungen. Die Crew der Küstenwache nahm auch an Rettungsaktionen an Land teil, wenn etwa ein Landtransport witterungsbedingt unmöglich war. Die “Óðinn” transportierte einst Ärzte, Krankenschwestern, Rettungshelfer und Versorgungsgüter von Reykjavík aus durch einen apokalyptisch bösen Sturm in die Westfjorde, wo eine Lawine ein ganzes Dorf im Schnee begraben hatte. Das Schiff diente vor der Küste als Basisstation für die Rettungsarbeiten im zerstörten Gebiet.

Als Island seine Fischereirechte während der drei Kabeljaukriege verteidigte, war es die “Óðinn”, die die britischen Fregatten, Trawler und Schlepper abwehrte und die Einhaltung der zum Schutz der Fischgründe eingeführten Fangquoten gewährleistete, die von internationalen Trawlern überschritten worden waren.

Heute ist die “Óðinn” ein Hautnah-Museum. Man kann richtig fühlen, daß hier Menschen gelebt und gebangt haben, denn alles steht noch an seinem Originalplatz. Eine besondere Gelegenheit, um in das Leben auf See hineinzuschnuppern, ohne seekrank zu werden. Im Museumsshop gibt es eine spannende DVD zum Thema.

Geschichte zum Anfassen
Das Maritimmuseum ist ein Haus zum Anfassen. Der Besucher soll sich bewusst als Teil der Seefahrergemeinschaft fühlen. Am beeindruckendsten ist das natürlich, wenn man im Café ehemalige Crewmitglieder der “Óðinn” trifft, die sich hier regelmäßig mit ihren Ehefrauen und Freunden zum Kaffee verabreden.

Das Maritimmuseum befindet sich in Grandi, am Anfang der langen Hafenstraße und nur einen kurzen Spaziergang vom Stadtzentrum entfernt. Es ist ganzjährig geöffnet, vom 1. Juni bis 1. September täglich von 10 bis 18 Uhr, im Winter Dienstags bis Freitags von 11 Uhr bis 17 Uhr und am Wochenende von 13 bis 17 Uhr.


Tengt efni

Eldri tölublöð
Öll blöð í vefútgáfu

Netútgáfa. Samhliða prentaða blaðinu verður einnig hægt að nálgast netútgáfu af blaðinu á slóðinni www.landogsaga.is. Greinarnar verða bæði í pdf og HTML formi sem gerir þér til dæmis kleift að senda þær áfram og nýta í markaðsskyni. Netútgáfan verður ítarlegri og verður hægt að senda inn efni sem sett verður á vefinn, umfram það efni sem er í blöðunum. Þessi vefur mun síðan halda áfram að vaxa og dafna. 

© 2007 - 2012 Land og saga